Digitalisierung in der Erwachsenenbildung

Hessischer Volkshochschulverband e. V. (hvv) (Hrsg.)

Hessische Blätter für Volksbildung (HBV) – 2020 (3)

DOI: 10.3278/HBV2003W008

ISSN: 0018–103X wbv.de/hbv hessische-blaetter.de

Best-practice-Beispiele für digitale Weiterbildungsangebote

Einführung

Julia Franz, Steffi Robak

Zusammenfassung

Das Praxisfeld der „Digitalisierung in der Erwachsenenbildung“ stellt sich als überaus vielfältig und anregend dar. Um diese Vielfalt zu systematisieren, wurden für den „Praxisteil“ dieses Heftes im Vorfeld verschiedene Anbieter und Projekte gebeten, zentrale Leitfragen zu ihrem jeweiligen Angebot bzw. Projekt zu beantworten. Gefragt wurde nach der Selbstbeschreibung des eigenen Angebots, den jeweiligen Inhalten, Adressatinnen und Adressaten sowie nach Chancen und Herausforderungen, die mit den Angeboten verknüpft sind.

Schlagworte: Praxisfeld Erwachsenenbildung, Best Practice, Digitale Bildungsangebote, Interviews mit Anbietern Digitaler Formate

Abstract

The practical field of "digitisation in adult education" is extremely diverse and stimulating. In order to systematise this diversity, various providers and projects were asked in advance to answer central questions about their respective offerings or projects for the "practical part" of this issue. They were asked to describe their own offerings, the respective contents, addressees, and the opportunities and challenges associated with the offerings.

Keywords: Practice Area Adult Education, Best Practice, Digital Education Offers, Interviews with Providers of Digital Formats

Die im Folgenden dargestellten Antworten aus der Praxis lassen sich vor allem hinsichtlich ihrer inhaltlichen Ausrichtung und ihrer Adressatinnen und Adressaten differenziert betrachten.

Die digitalen Angebote haben darüber hinaus unterschiedliche institutionelle Reichweiten, Zielsetzungen, strukturelle Absicherungsmöglichkeiten und Ansätze sowie differenzierte technische Möglichkeiten digitale Lernformen bis hin zu Gamification-Elementen einzubeziehen. Während beispielsweise „Wissensrouten“ in einzelne Angebote eingebunden sind und eine Form der Partizipation und kollaborativen Inhaltsbereitstellung durch die Teilnehmenden darstellt, werden in „Mit uns Digital“, „OpenDigiMedia“, vhs-cloud, eb-mooc und wbweb durch (interdisziplinäre) Teams Inhalte der Digitalisierung aufwendig aufbereitet und in verschiedenen digitalen Lernformen mit verschiedenen Möglichkeiten der Bearbeitung offeriert. Fast alle dargestellten digitalen Angebote sind drittmittel- bzw. projektfinanziert und die Betreibenden stehen vor der Herausforderung tragfähige Finanzierungsmodelle zu entwickeln. Eine große öffentliche Reichweite und Zugänglichkeit besteht für das Angebot netzpolitik.org.

vhs.cloud

Charlotte Karpenchuk

Beschreiben Sie in wenigen Worten Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot!

Das Online-Netzwerk für Volkshochschulen. Die vhs.cloud wird vom Deutschen Volkshochschulverband angeboten. Sie ermöglicht online-gestützten Unterricht, aber auch Teamarbeit und deutschlandweite Kooperationen für Kursleitende und Mitarbeitende.

Wen adressieren Sie damit? Und wen erreichen Sie?

Wir adressieren alle Volkshochschulen in Deutschland und erreichen bisher über 700 von insgesamt 900 Einrichtungen.

Was sind die Inhalte und wie wird gelernt?

Die Inhalte sind zurzeit in erster Linie individuell erstellte Materialien in allen Programmbereichen. Die Formate reichen von der digitalen Begleitung von Präsenzkursen bis hin zu Webinaren und reinen Onlinekursen.

Welche Chancen ergeben sich aus Ihrer Sicht durch Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot für Lernende?

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Organisationen der Erwachsenen- und Weiterbildung?

Lernende können flexiblere Lernangebote wahrnehmen und diese dadurch mit familiären oder beruflichen Rahmenbedingungen vereinbaren, die eine Teilnahme an Kursen in klassischen Formaten und zu klassischen Kurszeiten verhindern. Das Lernen wird individueller, sowohl bzgl. der Zugänge als auch bzgl. der Inhalte, Lernerautonomie wird in höherem Maße möglich als bisher.

Volkshochschulen können neue Zielgruppen erreichen und so ihrem Auftrag, Bildungsteilhabe zu gewährleisten, gerecht werden. Durch die vhs.cloud können sie sich vernetzen und gemeinsam mit anderen Einrichtungen Kursangebote schaffen, die einzelne vhs nicht stemmen können oder die sich im eigenen Einzugsgebiet nicht lohnen. Sie können die vhs.cloud nutzen, um den digitalen Wandel in ihrer Organisation aktiv zu gestalten, z. B. durch ein Wissensmanagement im Wiki, Beschlussfassungen online, flexiblere Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende und Kursleitende…

Welche Herausforderungen sehen Sie (z. B. professionelles Handeln, Interdiszipli­narität etc., Nachhaltigkeit, Finanzierung)?

Die größte Herausforderung ist, dass noch viel Überzeugungsarbeit geleistet und der Zugang zur Plattform noch weiter vereinfacht werden muss (Usability), damit es den verschiedenen Zielgruppen leicht fällt, dieses digitale Angebot zu nutzen.

Die Finanzierung soll in den nächsten zwei Jahren auf „haltbare“ Füße gestellt werden.

Wie sehen digitale Bildungsformate 2050 aus Ihrer Sicht aus?

Individuell, on demand, für jede Einrichtung eine gute Mischung aus Präsenzveranstaltungen und Angeboten, die nicht an Orte und/oder Zeiten gebunden sind.

Wissensrouten – Gesellschaftlich-politische Bildung durch digitales Geschichte(n)erzählen

Johannes Zender

Beschreiben Sie in wenigen Worten Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot!

Volkshochschulen in Hessen haben ein neues Bildungsformat im Angebot: In „Wissensrouten”-Kursen produzieren Teilnehmende Multimedia-Beiträge (z. B. Audio- oder Videoclips) zu gesellschaftlich oder historisch bedeutsamen Themen.

Diese digitalen Beiträge werden auf einer interaktiven Landkarte veröffentlicht und fügen sich zu online abrufbaren „Wissensrouten“ zusammen. Die einzelnen Beiträge werden über die Online-Landkarte für andere erlebbar und finden durch das Teilen in Sozialen Medien öffentliche Verbreitung und Aufmerksamkeit.

Infos und Online-Karte unter www.wissensrouten.de

Wen adressieren Sie damit? Und wen erreichen Sie?

Die Kurse adressieren vorrangig alle am jeweiligen historisch-gesellschaftspolitischen oder regionalen Kursthema interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Personen, die durch herkömmliche Formate der politischen Bildung nicht angesprochen werden. Außerdem spricht das Format Personen mit Affinität zu digitalen Medien an bzw. Personen, die sich Medienkompetenzen aneignen oder diese vertiefen möchten.

Die meisten Teilnehmenden sind in den Wissensrouten dabei, weil sie mehr über das jeweilige Thema lernen möchten oder selbst einen persönlichen oder familiären Bezug zum Thema haben. Die Medienbildung ist hier lediglich „Mittel zum Zweck“: Diese Teilnehmenden lernen zum Thema durch die Methode des digitalen Geschichte(n)erzählens. Vereinzelt spricht das mediale Format auch Teilnehmende an, die sich vorrangig für die Medienbildung oder -produktion interessieren – die Teilnehmenden lernen hier „nebenher“ viel über das jeweilige gesellschaftliche Thema.

Was sind die Inhalte und wie wird gelernt?

Die Wissensroutenkurse haben je lokaler Ausgestaltung unterschiedliche Schwerpunkte – mal geht es etwa um historische Themen wie die Stationen des Limes (Main-Kinzig-Kreis), Militärgeschichte (Hanau) oder um nachhaltiges Handeln (Hofheim). Mal haben die Kurse Migration in die Stadtgesellschaft (Kassel), die deutsch-deutsche Teilung (Burg Fürsteneck), Stolpersteine (Wiesbaden) oder jüdisches Leben im Landkreis Groß-Gerau zum Thema. Die Teilnehmenden erhalten hier Inputs zum Thema und recherchieren selbst weiter. Sie gehen dabei auf journalistische Erkundungstouren und lernen Formen des „Digital Storytelling“ kennen. Das heißt, sie lernen Geschichte zu erzählen und medial zu gestalten – zum Beispiel in Form von digitalen Hör- und Videobeiträgen oder Ton-Bild-Collagen.

Welche Chancen ergeben sich aus Ihrer Sicht durch Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot für Lernende?

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Organisationen der Erwachsenen- und Weiterbildung?

Eine große Attraktivität des modernen, aktivierenden Formats ergibt sich durch seinen Querschnitt der politischen Bildung zur Medienbildung. Medienbildung und Stärkung digitaler Kompetenzen geschieht hier oft „nebenher“, ganz entsprechend des Untertitels des Projekts: „Gesellschaftlich-politische Bildung durch digitales Geschichte(n)erzählen“.

Die Teilnehmenden werden zu „Teilgebenden“, zu Produzent*innen eigener Multimedia-Beiträge, die online veröffentlicht werden. Sie lernen dadurch gleichsam die digitale Welt selbst mitzugestalten. Über die Online-Landkarte wird eine einzigartige Zeitdokumentation aufgebaut. Die Orte und Wissensrouten auf der Online-Landkarte können selbst wieder Anschlusspunkte für weitere Bildungsangebote oder geführte Spaziergänge sein und als Gedenk- oder Diskussionsanlässe fungieren.

Die beteiligten Volkshochschulen können mit dem Projekt ihr Profil als Anbieter moderner Bildungsformate schärfen. Die lokalen Kooperationen, die für eine Realisierung eines Wissensroutenkurses vor Ort notwendig sind (z. B. mit örtlichen Museen, Gedenkstätten, Migrantenselbstorganisationen oder Initiativen) stärken die Koordinationsrolle von Volkshochschule und als „Vernetzerin“ in der Kommune.

Welche Herausforderungen sehen Sie (z. B. professionelles Handeln, Interdiszipli­narität etc., Nachhaltigkeit, Finanzierung)?

Wie in der politischen Bildung allgemein ist es auch bei den Wissens­routen unklar, inwiefern sie ohne Projektförderung realisiert können, wenn die Kurse für Teilnehmende nicht mehr beitragsfrei angeboten werden, sondern durch Teilnahmegebühren gegenfinanziert werden müssen.

Wie sehen digitale Bildungsformate 2050 aus Ihrer Sicht aus?

Im Jahr 2050 wird vermutlich niemand mehr von „digitalen Medien“ sprechen, da es völlig selbstverständlich geworden ist, Bildungsformate mit digitalen Medien anzureichern. Die gelebte Verschränkung von „analoger“ und „digitaler“ Bildung in Alltag und Beruf spiegelt sich auch um Bildungsbereich wider. Digital gestaltete Lernumgebungen machen das Lernen flexibel, einfacher, ärmer an Zugangshürden und erreichen deutlich breitere und diversere Teile der Bevölkerung. Die Lernmöglichkeiten werden deutlich schneller realisiert und können viel stärker am jeweiligen Bedarf des Lernenden angepasst werden.

EBmooc und EBmooc plus von Verein CONEDU, TU Graz und WerdeDigital

Birgit Aschemann, Karin Kulmer, Martin Ebner

Beschreiben Sie in wenigen Worten Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot!

EBmooc ist ein offener Onlinekurs (MOOC) für die Erwachsenenbildung in Österreich und vermittelt Erwachsenenbildner*innen in Lehre, Training und Bildungsmanagement das Wichtigste zum digitalen Arbeiten in deren Praxis.

2017 und 2018 fanden bereits zwei Durchläufe statt (EBmooc). Mit dem EBmooc plus steht seit dem 4. März 2020 eine neu entwickelte Generation bereit, die umfassender ausfällt und einem ganzheitlichen Bild der digitalen Professionalisierung verpflichtet ist.

Der EBmooc plus 2020 ist ein Angebot von CONEDU in Kooperation mit der TU Graz und WerdeDigital.at auf der Plattform imoox.at. Das Projekt EBmooc plus 2020 wird gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Wen adressieren Sie damit? Und wen erreichen Sie?

Der Kurs richtet sich an Erwachsenenbildner*innen, und zwar sowohl an Lehrende und Trainer*innen als auch an Bildungsmanager*innen (und Berater*innen).

2017 und 2018 wurden insgesamt über 6.500 Teilnehmer*innen erreicht. Für den EBmooc plus sind mit Stand 01.03.2020 bereits mehr als 1500 Teilnehmer*innen angemeldet (Kursstart am 4.3.2020).

Was sind die Inhalte und wie wird gelernt?

Die Inhalte sind: Lernen in und mit MOOCs, beruflicher Wandel der Erwachsenenbildung im digitalen Zeitalter, Formate und Didaktik im digitalen Raum, digitale Werkzeuge für die Erwachsenenbildungspraxis, Sicherheit und Datenschutz in der Erwachsenenbildung, soziale Lernumgebungen im digitalen Raum, kritische Medienkompetenz und Erwachsenenbildung, offene Bildungsressourcen, Webinare und Live-Videoformate für die Erwachsenenbildung und Möglichkeiten zum Weiterlernen. Eine genauere Modulbeschreibung ist auf https://erwachsenenbildung.at/ebmooc/module.php zugänglich.

Der Kurs besteht aus acht Modulen und einem Abschlussmodul. Jede Woche wird ein Modul freigeschaltet, welches aus Erklärvideos, Anleitungen und Übungen besteht und mit einem Quiz zur Selbstüberprüfung abschließt. In welchem Tempo man lernt, und ob man lieber größere Teile am Stück oder lieber jeden Tag wenige Inhalte bearbeitet, bleibt jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer selbst überlassen.

Wer auf persönliche Treffen nicht verzichten möchte, kann dem didak­tischen Konzept des Inverse-Blended-Learning folgend, rund um den EBmooc plus Zusatzangebote wie etwa Begleitgruppen nutzen. Das sind Angebote von Kooperationspartnern – etwa Erwachsenenbildungseinrichtungen oder selbstständigen Trainer*innen –, in denen sich kleine Gruppen von Teilnehmenden live treffen. Wer möchte, kann selbst eine Begleitgruppe gründen oder eine/n MOOC-Lernpartner*in finden.

Zusätzlich gibt es während des EBmooc plus insgesamt vier kostenlose Live-Webinare.

Welche Chancen ergeben sich aus Ihrer Sicht durch Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot für Lernende?

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Organisationen der Erwachsenen- und Weiterbildung?

Der EBmooc bzw. EBmooc plus kommt als offenes, kostenfreies und flexibel nutzbares Weiterbildungsangebot der Arbeitssituation von Erwachsenenbildner*innen sehr entgegen.

Er eignet sich als „Initial-Kick“, um in das digitale Lehren und Lernen einzutauchen, ist aber mit seinen Vertiefungsmöglichkeiten auch für fortgeschrittene Teilnehmer*innen interessant. Die Inhalte orientieren sich an den tatsächlichen Bedürfnissen von Lehrenden in der Erwachsenenbildung bzw. von EB-Einrichtungen.

Wer alle Selbstüberprüfungen positiv absolviert und die Abschlussbefragung ausgefüllt hat, erhält ein Teilnahmezertifikat, ausgestellt von iMooX.at.

Der EBmooc plus ist mit 1,5 ECTS (wba) akkreditiert und kann mit 1,5 ECTS beim wba-Zertifikat für die Medienkompetenz und/oder mit 0,5 ECTS beim wba-Zertifikat oder beim wba-Diplom für die Bildungstheoretische Kompetenz (Gesellschaft und Bildung) und/oder mit 1 ECTS beim wba-Diplom für die Didaktische Kompetenz im Pflichtteil anerkannt werden.

Der EBmooc plus steht unter einer offenen Creative-Commons-Lizenz zur Verfügung: Das bedeutet, die Inhalte können unter Einhaltung der Lizenzbedingungen geteilt, weiterverwendet oder sogar völlig neu zusammengestellt werden – und das alles ist kostenlos. Man kann also den gesamten Onlinekurs in eine bestehende Ausbildung für Trainer*innen oder Bildungsmanager*innen einbauen. Oder man verwendet nur bestimmte Teil des Kurses, um sie mit weiteren, neuen Inhalten je nach Bedarf zu mixen.

Der EBmooc plus ist auch eine gute Grundlage für interne Weiterbildungsangebote: EB-Anbieter, die das digitale Know-how in ihrem Team stärken wollen, können für ihre Referent*innen oder Kursleiter*innen eine geschlossene Transfer-Gruppe bilden. Dann absolvieren alle den Onlinekurs und nützen die zusätzlichen Gruppentreffen, um die Umsetzung der Kursinhalte in ihrer Einrichtung zu erarbeiten.

Welche Herausforderungen sehen Sie (z. B. professionelles Handeln, Interdiszipli­narität etc., Nachhaltigkeit, Finanzierung)?

Herausforderungen der digitalen Transformation in Einrichtungen der Erwachsenenbildung:

Alter und geringe digitale Affinität der Leitungsebene

Konkurrenzdenken, Marktlogik, Förderlogiken

Verkennen der Zielgruppenerwartungen

kaum koordinierter Aufbau von Formaten, Infrastruktur, Personal und Geschäftsmodellen (wenig spezif. OE)

Personalentwicklung ist schwierig wegen atypischer (prekärer) Beschäftigung in der Erwachsenenbildung

mangelnde Bereitschaft für neue digital basierte Lernangebote

Berührungsängste bei der Verwendung digitaler Medien.

Wie sehen digitale Bildungsformate 2050 aus Ihrer Sicht aus?

Bildung wird voraussichtlich zur Gänze digitalisiert und zu vielen Teilen auch virtualisiert sein. Darüber hinaus werden viele digitale Lehrunterlagen vorhanden sein und ebenso Daten über Lernwege, Lernprozesse und Lernverhalten, wodurch es zur mehr Personalisierung und Individualisierung kommt.

wb-web – Kompetenz für Lehrende der Erwachsenen- und Weiterbildung

Lars Kilian

Beschreiben Sie in wenigen Worten Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot!

wb-web ist ein Onlineportal, welches mit offenen, frei nutzbaren Inhalten (OER) die Kompetenzentwicklung und Professionalisierung von Lehrenden der Erwachsenen- und Weiterbildung unterstützt. Es wird betrieben vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE).

Wen adressieren Sie damit? Und wen erreichen Sie?

Lehrende der Erwachsenen- und Weiterbildung werden mit dem Angebot adressiert. 2019 konnte wb-web 720.000 Besucher zählen. Aufgrund des klaren Fokus auf pädagogische Themenfelder ist davon auszugehen, dass diese Zielgruppe auch erreicht wird.

Was sind die Inhalte und wie wird gelernt?

wb-web informiert über pädagogische Themenfelder, die für das Handeln von Lehrenden in der Erwachsenen- und Weiterbildung von Bedeutung sind. Themen wie Kursgestaltung, Methoden, Digitalisierung, Alphabetisierung und Grundbildung oder Recht in der Weiterbildung sind nur ein kleiner Ausschnitt aus den aktuell über 1500 Contentelementen, die auf wb-web zu finden sind. Darüber hinaus liefert wb-web aktuelle News aus dem Feld der EB/WB.

Weiterhin bietet wb-web die Möglichkeit, sich mit der Fachcommunity über Institutions-, Fach- und Projektgrenzen hinaus zu vernetzen. Hierfür können eigene Personenprofile angelegt und in den bereits vorhandenen nach Partnern für Kooperationen gesucht werden. Darüber hinaus bietet ein Diskussionsforum die Möglichkeit, sich zu Fragen der Weiterbildung fachlich auszutauschen.

Seit 2020 wurde wb-web um den EULE-Lernbereich erweitert. Der Lernbereich bietet nach einer kostenfreien Registrierung frei nutzbare, multimedial aufbereitete Lernpfade zu pädagogischen Handlungsfeldern. Lehrende können hier frei nach Inhalten suchen, aus einem konkreten situativen Bedarf Inhalte auswählen oder gezielt Kompetenzen ausbauen. Er wird sukzessive ausgebaut.

Welche Chancen ergeben sich aus Ihrer Sicht durch Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot für Lernende?

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Organisationen der Erwachsenen- und Weiterbildung?

Durch die Virtualisierung des Angebots können Nutzer jederzeit und überall für sie relevante Informationen auf wb-web abrufen und ihre Kompetenzen fortentwickeln. Dies ist hilfreich, da viele Lehrende zwar hohe Fachkenntnisse besitzen, aber hin und wieder pädagogische Anregungen und Hilfestellungen für die Kursgestaltung und das Arbeitsfeld benötigen. Die freie Verfügbarkeit macht die Nutzbarkeit der Angebote z. B. für eigene Veranstaltungen rechtssicher (OER). Möglichkeiten des Austauschs z. B. im wb-web-Forum oder bei realen wie virtuellen Veranstaltungen fördern die Vernetzung. Da wb-web auch Inhalte wie Handlungsanleitungen, Fallbeispiele oder Materialien aus der Community aufnimmt, besteht ein großer Praxisbezug.

Für die Organisationen der Erwachsenen- und Weiterbildung ergibt sich die Möglichkeit, das Angebot von wb-web für eigene Train-the-Trainer-Konzepte zu nutzen – insbesondere durch die Erweiterung des EULE-Lernbereichs. Darüber hinaus kann durch die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Praxis über das Portal von wb-web ein bidirektionaler Wissenstransfer unterstützt werden: Was braucht die Praxis? Was hat die Wissenschaft für Antworten?

Welche Herausforderungen sehen Sie (z. B. professionelles Handeln, Interdiszipli­narität etc., Nachhaltigkeit, Finanzierung)?

Neben der Aufnahme neuer Inhalte müssen die bereits bestehenden Informationen und Angebote auf ihre Aktualität kontinuierlich geprüft werden – mit steigender Zahl der Inhalte eine zunehmend herausfordernde Aufgabe. Auch aktuelle technische Entwicklungen, wie z. B. der steigende Bedarf an multimedialen Inhalten, die sehr gute Resonanz bei den Besucherinnen und Besuchern erzeugen, müssen bei der Gestaltung der Inhalte berücksichtigt werden. Die technische Stabilität und Aktualität des technischen Systems, Fragen der Barrierefreiheit, die Optimierung des Angebots auch für mobile Nutzung sind weitere Aspekte, denen Aufmerksamkeit gewidmet werden muss.

Wie sehen digitale Bildungsformate 2050 aus Ihrer Sicht aus?

Gut recherchierbare, offene, (automatisch) zu individuellen Lern- und Informationsangeboten zusammenstellbare Formate bestimmen das Lebenslange Lernen. Nutzerinnen und Nutzer sind als Teil der Com­munity auch Fachexpertinnen und -experten, die ihre Expertise teilen. Darüber hilft der Austausch in der Community, Kompetenzen zu entwickeln bzw. auszubauen. Ein Mix verschiedener Formate ist selbstverständlich. Lernen wird hybrid und nicht mehr zwischen analogen und virtuellem Raum unterscheidbar. Kompetenzerwerb steht im Vordergrund und informell bzw. non-formal erworbene Kompetenzen werden anerkannt und können in eigenen Portfolios präsentiert und geteilt werden. Lernen an sich wird für alle eine Selbstverständlichkeit und der Zugriff auf Lernressourcen ist jederzeit möglich. Diese sind aktuell, wissenschaftlich fundiert und für den individuellen Lernbedarf hilfreich. Bildung ist ein zentraler Wert für den Einzelnen und die Gesellschaft.

Netzpolitik.org

Markus Beckedahl

Beschreiben Sie in wenigen Worten Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot!

Netzpolitik.org ist ein journalistisches gemeinwohl-orientiertes Medienprojekt, das aus der Perspektive von digitalen Grundrechten über die Debatten der Digitalisierung berichtet.

Wen adressieren Sie damit? Und wen erreichen Sie?

Wir adressieren alle, die sich für netzpolitische Fragestellungen interessieren. Wir sind einer der Hauptknotenpunkte der digitalen Zivilgesellschaft im deutschsprachigen Raum und werden von vielen Multiplikatoren aus Medien, Politik und Gesellschaft gelesen und rezipiert.

Was sind die Inhalte und wie wird gelernt?

Wir recherchieren investigativ und ordnen aktuelle Debatten ein. Wir klären auf und vermitteln Wissen über Debatten und politische Prozesse, auch mit dem Ziel, unsere Leserschaft zu ermutigen, selbst aktiv zu werden.

Welche Chancen ergeben sich aus Ihrer Sicht durch Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot für Lernende?

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Organisationen der Erwachsenen- und Weiterbildung?

Als journalistisches Medium vermitteln wir Grundwissen für gesellschaftliche Debatten. Durch unser interdisziplinäres Team können wir Debatten aus technischer, juristischer und politischer Sicht journalistisch einordnen.

In Vorträgen und Workshops vertiefen wir mitunter auch die Vermittlung von Wissen.

Welche Herausforderungen sehen Sie (z. B. professionelles Handeln, Interdiszipli­narität etc., Nachhaltigkeit, Finanzierung)?

Wir sind ein gemeinnütziger Verein und fast vollständig durch Spenden unserer Lesenden finanziert. Netzpolitik.org ist 15 Jahre alt und finanziert momentan 15 Personen auf elf Vollzeitstellen verteilt. Das Themenfeld explodiert, wir kommen kaum noch unseren Ansprüchen nach, alle relevanten Debatten zur Digitalisierung bei uns abzubilden. Gleichzeitig freut uns das Interesse von vielen gesellschaftlichen Akteuren, mit uns Kontakt aufzunehmen und unsere Expertise abzufragen, auch wenn wir nicht für alles Zeit haben.

Wie sehen digitale Bildungsformate 2050 aus Ihrer Sicht aus?

Offen, kollaborativ und ganz anders, als wir uns das heute vielleicht vorstellen können. Oder auch nicht, denn wir leben in Deutschland und Veränderung dauert hier leider immer etwas länger.

Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Hannover

Eike Asche

Beschreiben Sie in wenigen Worten Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot!

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Hannover ist angesiedelt an der Leibniz Universität Hannover und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) über eine Laufzeit von fünf Jahren gefördert. Als Einrichtung der beigeordneten Bildung werden neben anderen Angeboten wie Firmengesprächen und Informationsveranstaltungen auch halb- bis zweitätige Weiterbildungsangebote im Kontext von Digitalisierung und Industrie 4.0 offeriert. Hiermit sollen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) für relevante Themen sensibilisiert und dabei unterstützt werden, die Potenziale der Digitalisierung für sich zu erschließen.

Wen adressieren Sie damit? Und wen erreichen Sie?

Die Bildungsangebote des Kompetenzzentrums umfassen verschiedenste Themen im Bereich der Digitalisierung und richten sich potenziell an alle KMU im Einzugsgebiet, wobei der Schwerpunkt verstärkt auf Unternehmen des produzierenden Gewerbes liegt. Innerhalb dieser Unternehmen werden sowohl die Geschäftsführungen als auch Mitarbeitende mit und ohne Führungsfunktion in allen relevanten Unternehmensbereichen mit den Bildungsangeboten des Kompetenzzentrums Hannover adressiert.

Hierbei zeigt sich, dass die breit ausgerichtete Zielgruppe durch die angebotenen Themen gut erreicht wird. Dies wird zum einen über Kooperationen mit anderen Kompetenzzentren und den Austausch von Schulungsthemen und Dozierenden gewährleistet, zum anderen über die Orientierung des Programms an typischen Unternehmensbereichen in einem produzierenden Unternehmen wie beispielsweise Personal und Recht, IT, Marketing und Vertrieb. Etwa die Hälfte aller Teilnehmenden besteht aus Geschäftsführenden und Mitarbeitenden mit Leitungsfunktion, die andere Hälfte entfällt auf Mitarbeitende auf der Shopfloor-Ebene. Zum überwiegenden Teil kommen diese aus produzierenden Unternehmen, gefolgt vom Dienstleistungssektor und dem Handwerk.

Was sind die Inhalte und wie wird gelernt?

Die Angebote des Zentrums decken ein breites Spektrum im Bereich der beruflichen Bildung ab. Ein Schwerpunkt liegt auf dem produzierenden Gewerbe und damit auf Technologien, die der Industrie 4.0 zugeordnet werden können. Beispiele hierfür sind Themen wie Big Data, Produktionscontrolling, Retrofit, Assistenzsysteme oder auch Künstliche Intelligenz. Darüber hinaus werden aber auch übergeordnete Themen adressiert, die von Recht, über IT-Security bis hin zu Arbeit 4.0, Personal 4.0 und Geschäftsmodellentwicklung reichen. Die Bildungsangebote sind dabei größtenteils als Präsenz-Veranstaltungen konzipiert. Durch die pädagogisch-didaktische Begleitung im Zentrum ist sichergestellt, dass die Angebote den spezifischen Bedarfen der Zielgruppe entsprechen, handlungsorientierte Lernsettings geschaffen werden und damit ein Transfer der Lerninhalte in die betriebliche Praxis forciert wird. Um das eher abstrakte Thema Digitalisierung erfahrbar zu machen, sind alle Bildungsangebote darauf ausgelegt, am konkreten Gegenstand zu lernen. Aus diesem Grund finden die Veranstaltungen beispielsweise in eigens aufgebauten Lernfabriken statt und es werden Demonstratoren in die Lernkonzepte eingebunden. Darüber hinaus kommen in einigen Inhaltsbereichen Gamification-Ansätze zum Tragen. So werden beispielsweise in der Veranstaltung Digitalisierung in der Produktion – eine Einführung mittels Lego Serious Play Kreativprozesse angestoßen und neue Ideen entwickelt. Zudem dienen interaktive Webinare mit einer Dauer von circa 60 Minuten dazu, den Unternehmen einen ersten niedrigschwelligen Einstieg in ausgewählte Themen der Digitalisierung zu ermöglichen.

Welche Chancen ergeben sich aus Ihrer Sicht durch Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot für Lernende?

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Organisationen der Erwachsenen- und Weiterbildung?

Die Lernenden haben die Möglichkeit, sich in produktionsnahen Umgebungen mit dem Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 auseinanderzusetzen und damit Potenziale und Herausforderungen einzelner Technologien für ihr Unternehmen zu identifizieren. Auf diese Weise wird relevantes Wissen vermittelt und eine Kompetenzentwicklung angeregt, die die Teilnehmenden dazu befähigen soll, den digitalen Wandel aktiv mitzugestalten. Die Angebote sind dabei als Einstieg zu verstehen, sodass nach Teilnahme an den Bildungsangeboten des Kompetenz­zentrums auf weiterführende Bildungsangebote zur Vertiefung einzelner Inhaltsbereiche verwiesen wird. Vor diesem Hintergrund ist die Vernetzung mit anderen Bildungsinstitutionen ein wichtiger Bestandteil der Bildungsarbeit im Kompetenzzentrum, um einen nachhaltigen Kompetenzerwerb und eine übergreifende Befähigung der Teilnehmenden zu ermöglichen.

Welche Herausforderungen sehen Sie (z. B. professionelles Handeln, Interdiszipli­narität etc., Nachhaltigkeit, Finanzierung)?

Die Offerierung von Themen der Digitalisierung für kleine und mittlere Unternehmen geht mit vielfältigen Herausforderungen einher. Zunächst einmal gilt es, die Entwicklungen im technologischen Bereich im Hinblick auf resultierende Bildungsbedarfe der Unternehmen zu prüfen und kontinuierlich zu aktualisieren. Da in erster Linie ein Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis intendiert ist, werden im Schwerpunkt zukunftsbezogene Bedarfe angesprochen. Diese gilt es durch Maßnahmen der Bedarfsweckung in den Unternehmen zu adressieren, ein Bewusstsein für die Themen und Inhalte bei der Zielgruppe zu schaffen und Nachfrage zu erzeugen. Relevant ist hierbei eine entsprechende Expertise im Bereich der Programmplanung und Angebotsentwicklung sowie ein branchenbezogenes Wissen im Kontext der Digitalisierung, um eruieren zu können, welche Bedarfe auf allgemeiner Ebene existieren und inwiefern aus diesen ein Bildungsbedarf resultiert. Daher erfolgen Programmplanung und Angebotsentwicklung in interdisziplinären Teams, in denen die Bedarfe unter Einbezug der Zielgruppe ausgehandelt werden. Dieser hohe Aufwand zur Eruierung und Weckung digitalisierungsspezifischer Bedarfe in der direkten Auseinandersetzung mit der Zielgruppe wird dabei durch die öffentliche Finanzierung ermöglicht.

Wie sehen digitale Bildungsformate 2050 aus Ihrer Sicht aus?

Im Jahr 2050 können Lernprozesse dank digital unterstützter Lernumgebungen bedarfsgerecht umgesetzt und damit optimal gefördert werden. Lernende werden in ihrem Alltag von digitalen Hilfsmitteln unterstützt und Lebenslanges Lernen wird zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Lernens und Lebens jedes Einzelnen in der Gesellschaft.

Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird die Individualisierung des Lernens stark ausgeprägt sein. Mittels Learning Analytics können die Lernprozesse von Lernenden in einer heute nicht möglichen Qualität bedarfsgerecht angepasst werden. Hierbei nehmen Gamification-Ansätze eine besondere Rolle ein, wobei Lernen zunehmend auch in virtuellen Realitäten stattfindet, die komplett neue und immersive Lernerfahrungen ermöglichen.

Digital unterstütztes Lernen wird das Präsenzlernen keinesfalls ablösen bzw. ersetzen, sondern vielmehr als sinnvolle Ergänzung im Lehr-/Lernsetting fungieren. Vor diesem Hintergrund werden Bildungsanbieter ihre Rolle grundlegend überdenken und neue Geschäftsmodelle als Grundlage für ihre Arbeit definieren müssen. Zum einen werden Lerninhalte im Jahr 2050 zunehmend für Lernende frei verfügbar sein. Zum anderen gilt es, insbesondere vor dem Hintergrund des Einsatzes Künstlicher Intelligenz, die Autonomie der Lernenden zu bewahren. Hier schließen sich ethische Fragestellungen an, die im Feld der Erwachsenenbildung zu behandeln sind. Nicht zuletzt bietet dieses Szenario die Möglichkeit, Bildungsungleichheiten zu minimieren und damit Bildungsgerechtigkeit zu forcieren. Da Lernen in digital angereicherten Lernumgebungen aber auch hohe Anforderungen an den Einzelnen stellt, gilt es, Lernende professionell durch Lernprozessbegleiter zu unterstützen.

Digitale Bildungsmedien als Beitrag zur Öffnung von Hochschulen – Das Projekt OpenDigiMedia

Hanna Böving

Beschreiben Sie in wenigen Worten Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot!

OpenDigiMedia ist ein aus ESF- und niedersächsischen Landesmitteln gefördertes Projekt der Leibniz Universität Hannover und der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung. Der Fokus liegt auf der Entwicklung einer Online-Lernplattform mit verschiedenen Kursen zum Themenfeld Industrie 4.0. Gearbeitet wird größtenteils mit freien Bildungsmaterialien (OER), die für eigene Zwecke weiterverwendet werden können. Daneben bietet das Projekt Schulungen und Beratungen für Weiterbildungseinrichtungen, um diese zur eigenständigen Umsetzung von Blended-Learning-Veranstaltungen zu befähigen. Beratungsangebote für Studieninteressierte auf der Lernplattform runden das Angebotsspektrum ab.

Wen adressieren Sie damit? Und wen erreichen Sie?

Die Lernplattform OpenDigiMedia.de richtet sich in erster Linie an Facharbeitende aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) des produzierenden Gewerbes. Da die Plattform einen niedrigschwelligen Einstieg und zahlreiche Grundlagenkurse zum Themenfeld bietet, wird sie auch von Personen aus angrenzenden Branchen, wie bspw. Logistik und Verwaltung, und von Personen mit anderen Qualifikationsniveaus, wie bspw. Auszubildenden, genutzt.

Das Schulungs- und Beratungsangebot von OpenDigiMedia adressiert vor allem das pädagogische Personal aus niedersächsischen Weiterbildungseinrichtungen. Bei den Schulungen erscheinen regelmäßig auch kommunale und wirtschaftsnahe Beschäftigte sowie Netzwerkpartner der Erwachsenen- und Weiterbildung.

Was sind die Inhalte und wie wird gelernt?

Thematisch behandelt die Plattform die Digitalisierung im Bereich der Produktion. In verschiedenen Online-Kursen wird den Lernenden (Grundlagen-)Wissen zu innovativen Produktionstechniken, zur Relevanz von Informationen und Daten im Unternehmen sowie zur Veränderung von Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung vermittelt. Die Kurse umfassen eine bis drei Stunden an Lernmaterial und bestehen aus einzelnen, sinnvoll miteinander in Verbindung gebrachten Lerneinheiten, die flexibel bearbeitet werden können. Dadurch wird eine strukturierte und gleichzeitig individuelle Auseinandersetzung mit dem Material ermöglicht. Gelernt wird dabei mit verschiedenen digitalen Formaten, wie kurzen Erklärvideos, interaktiven Bildern, Quizfragen oder Webinaren. Mit einem Test am Ende jedes Kurses kann das Erlernte überprüft und eine individuelle Teilnahmebescheinigung erworben werden.

Welche Chancen ergeben sich aus Ihrer Sicht durch Ihr Projekt/Ihre Plattform/Ihr digitales Angebot für Lernende?

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Organisationen der Erwachsenen- und Weiterbildung?

Für Beschäftigte aus produzierenden KMU ist das Thema Industrie 4.0 hochrelevant, eine Teilnahme an Präsenzfortbildungen aufgrund knapper zeitlicher Ressourcen jedoch häufig schwer umsetzbar. Das kostenlose Online-Angebot OpenDigiMedia.de ermöglicht der Zielgruppe ein zeit- und ortsunabhängiges Lernen. Sie erhält dadurch die Chance, sowohl fachliches Wissen zum Themenfeld aufzubauen als auch den Umgang mit digitalen Lernmedien zu trainieren. Gleichzeitig zielt das Projekt auf die Förderung von Digitalisierungsprozessen im Bereich der niedersächsischen Erwachsenenbildung. Auch das dort tätige Personal wird durch gezielte Fortbildungen beim Aufbau fachlicher und mediendidaktischer Kompetenzen unterstützt. Durch die Befähigung zur eigenständigen Durchführung von Industrie 4.0-Veranstaltungen können die Einrichtungen ihr Angebotsportfolio erweitern und neue Zielgruppen erschließen.

Welche Herausforderungen sehen Sie (z. B. professionelles Handeln, Interdiszipli­narität etc., Nachhaltigkeit, Finanzierung)?

Die Entwicklung einer neuen Lernplattform mit freien Bildungsmaterialien und gleichzeitige Fortbildung von Multiplikator/innen bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich: Da nur wenige externe Materialien mit freier Lizenz zum Themenfeld existieren, müssen die digitalen Lerneinheiten größtenteils selbst erstellt werden, was mit hohem Ressourcenaufwand verbunden ist. Auch konnte ein größerer Unterstützungsbedarf im Bereich der Erwachsenenbildung identifiziert werden als anfangs angenommen, was zur Entwicklung eines ganzheitlichen und dadurch zeitintensiveren Fortbildungskonzeptes zur Angebotsentwicklung im Bereich Digitalisierung führte. Um die Angebote auch nach Projektende weiterzuführen, ist eine Integration in bestehende institutionelle Strukturen notwendig, welche zudem stetig mitgedacht werden muss.

Wie sehen digitale Bildungsformate 2050 aus Ihrer Sicht aus?

Digitale Bildungsformate eröffnen neue Möglichkeiten eines bedarfsgerechten und auf individuelle Präferenzen ausgelegten Lernens, was in Zukunft, z. B. durch die Entwicklung passgenauer Lernpfade, noch stärker ausgebaut werden kann. Auch werden Augmented- oder Virtual-Reality-Formate mehr Einsatz finden, um größtmögliche Praxisnähe bei gleichzeitiger Zeit- und Ortsunabhängigkeit zu gewährleisten. Dennoch ist auch in 30 Jahren nicht zu erwarten, dass digitales Lernen das Lernen in Präsenz gänzlich ersetzt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Möglichkeiten einer sinnvollen Verknüpfung beider Methoden in Form von Blended-Learning noch besser erforscht und gerade im Bereich der Erwachsenen- und Weiterbildung gängige Praxis geworden sind.

Autorinnen und Autoren

Charlotte Karpenchuk, Projektleiterin vhs.now beim Deutschen Volkshochschulverband.

Johannes Zender, Direktionsassistent der Referatsleitung Erweiterte Lernwelten beim Hessischen Volkshochschulverband e. V.

Birgit Aschemann, Mag. Dr., Bereichsleitung Digitale Professionalisierung im CONEDU Verein für Bildungsforschung und -medien.

Karin Kulmer, M.Sc., M.A., Medienpädagogin im CONEDU Verein für Bildungsforschung und -medien.

Martin Ebner, Priv.-Doz., Dipl.-Ing., Dr. techn. (habil), Leiter der Abteilung Lehr- und Lerntechnologien an der Technischen Universität Graz.

Lars Kilian, Dr. phil., Dipl. Päd., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e. V., Abteilung Wissenstransfer, Redaktionsleitung wb-web.

Markus Beckedahl, Chefredakteur von netzpolitik.org.

Eike Asche, M.A., Geschäftsführer des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Hannover an der Leibniz Universität Hannover.

Hanna Böving, M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Koordinatorin im Verbundprojekt OpenDigiMedia am Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover.