Weiterbildungspersonal – interpersonale Zusammenarbeit in Weiterbildungs­einrichtungen

Editorial

Hessischer Volkshochschulverband e. V. (hvv) (Hrsg.)

Hessische Blätter für Volksbildung (HBV) – 2020 (4)

DOI: 10.3278/HBV2004W001

ISSN: 0018–103X    wbv.de/hbv    hessische-blaetter.de

Weiterbildungspersonal – inter­personale Zusammenarbeit in Weiterbildungs­einrichtungen

Christiane Ehses, Bernd Käpplinger

Stichworte: Weiterbildungspersonal; Berufsgruppen; Konflikte; Kooperation; Weiterbildungseinrichtungen

Keywords: CET Staff; Occupational Groups; Conflicts; Cooperation; CET Institutions

Andere Zeitschriften thematisieren das Weiterbildungspersonal mit der Überschrift: „Was uns verbindet, was uns unterscheidet“ (Gesellschaft zur Förderung der Volkshochschulen in Berlin 2019). Studien wie der wb personalmonitor (vgl. Dobischat et al. 2018; Martin et al. 2016) beschäftigen sich vertieft mit Arbeitsprofilen und Beschäftigungsbedingungen der verschiedenen Personalgruppen in der Erwachsenen- und Weiterbildung von der Leitung, der Programmplanung über die Verwaltung bis zu den Kursleitenden und liefern reichhaltige Informationen und Interpretationen. Generell scheint in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit sich wieder von der organisationalen Ebene und Qualitätszertifizierungen wegbewegt zu haben und hin zu der personalen Ebene und Professionalisierung hinbewegt zu haben. Es ist durchaus wichtig, auf Unterschiede, Qualifikationen, Kompetenzen und Zuständigkeiten zu achten, da nicht alle alles kompetent und professionell machen können.

Das folgende Themenheft setzt einen speziellen Akzent mit dem Thema Zusammenarbeit. Im Folgenden soll nämlich das Zusammenspiel von verschiedenen Personalgruppen als roter Faden der verbindende Ausgangspunkt von Fragestellungen verschiedener Artikel sein. Statt einer „nur“ isolierten Betrachtung einzelner Personal- und Funktionsgruppen interessiert uns die Zusammenarbeit, von der wir annehmen, dass sie – möglicherweise noch unentdeckte – Synergiepotenziale, aber auch Konflikte und Behinderungen enthält, die viele Ursachen haben können. Wir denken, dass diese Aspekte einer differenzierten Beobachtung bedürfen und noch mehr untersucht werden sollten. Wir haben dabei des Öfteren Autorinnen und Autoren gebeten, auf schon vorliegende Studien, Qualifikationsarbeiten und Projekte einen neuen Blick zu richten bzw. Befunde in Nebensätzen bisheriger Studien nun noch mehr herauszuarbeiten. Ergebnisse aus Studien also, die vielleicht auf den ersten Blick bei einer Literatursuche gar nicht das Thema Zusammenarbeit zu berühren scheinen (vgl. Goeze & Stodolka 2019). Das Thema Zusammenarbeit von mindestens zwei Personalgruppen sollte im Fokus dieses Heftes stehen. Dies wurde mal mehr oder weniger intensiv in den Beiträgen verfolgt, aber facettenreich diskutiert, wie wir finden.

Der Beitrag von Maria Stimm, Wiltrud Gieseke, Bettina Thöne-Geyer und Marion Fleige fragt nach Handlungsspielräumen in der berufsorientierten Programmplanung verschiedener Programmbereiche an Volkshochschulen und nimmt die konkrete Planung und die Interaktionsebene in den Blick. Freiheitsgrade, aber auch Antinomien kommen zur Sprache. Insbesondere die aus der Perspektive erwachsenenpädagogischen Handelns notwendige „relative Autonomie“ wird bei der Betrachtung interner und externer Kooperationen in den Fokus gerückt.

Vor dem Hintergrund eines in den letzten Jahren und aktuell häufig zu beobachtenden Generationenwechsels auf Leitungs- und Programmplanungsebene in der öffentlich geförderten Erwachsenenbildung untersucht der ebenfalls empirische Beitrag von Frank Pfiszter soziale Konflikte und sinnstiftendes Potenzial in der intergenerationellen Zusammenarbeit in Volkshochschulen. Dabei geraten sowohl übermittelte Solidarvorstellungen als auch die Frage nach struktureller Solidarität durch die Etablierung von Reflexionsverfahren in den Fokus. In Letztem erkennt der Autor Desiderate.

Der Beitrag von Christina Müller-Naevecke rekonstruiert auf Basis einer eigenen quantitativen Studie, wie Lehrende bundesweit in verschiedenen Weiterbildungseinrichtungen ihre individuelle Professionalisierung auf individuellen und oft informellen Wegen vorantreiben, welche Quellen sie hierfür nutzen und wie sich solche Professionalisierungsbewegungen und auch dabei wirksame Barrieren bei verschiedenen Tätigkeitsgruppen unterscheiden. Der Beitrag fragt u. a. auch nach Modi der Sozialintegration von Lehrenden unter Bedingungen loser Kopplungen.

Stefan Koscheck und Martin Reuter thematisieren das bundesweite Zusammenspiel von Gutachtenden von Zertifizierungsagenturen und verschiedenen Weiterbildungseinrichtungen. Empirische Grundlage liefert eine quantitative Befragung (wb monitor) von Nutzer*innen unterschiedlicher QM-Modelle. Hierbei konstatieren die Autoren überwiegend positive Bewertungen im Sinne von wahrgenommener Hilfe und Beratung gegenüber Kontrolle und Aufsicht. Allerdings zeigt gerade die Perspektivfrage (meist Antworten von Leitungskräften) auch Leerstellen bzw. mögliche Schattenseiten auf.

Der Beitrag von Barbara Dietsche und Daniela Glück-Grasmann nimmt das Unterstützungssystem von ehrenamtlicher Lernbegleitung durch Hauptamtliche Pädagogische Mitarbeitende an hessischen Volkshochschulen in den Blick. Er fragt literatur- und empiriebasiert danach, wie dieses mikrodidaktische Geschehen der Lernbegleitung mittels fachdidaktischer Begleitung, Ehrenamtskoordination und sozialräumlicher Verortung professionell umgesetzt werden kann und welche Voraussetzungen hierzu vonnöten sind.

Mit dem Portal wb-web hat das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung eine Infrastruktur zur nebenberuflichen Professionalisierungsentwicklung Lehrender an verschiedenen Weiterbildungseinrichtungen etabliert. Der anschauliche Beitrag von Peter Brandt, Carmen Biel und Sabine Schöb stellt das Lernangebot EULE als Erweiterung des Portals des Lernangebots näher vor.

Der Beitrag aus Praxisperspektive von Beate Plänkers beschreibt die interpersonale Zusammenarbeit von Beratungskräften mit unterschiedlichen Zugängen und Aufgaben in diversen Weiterbildungseinrichtungen in Hessen. Projektbasiert wird aufgezeigt, wie neue organisationale Räume für Zusammenarbeit geschaffen und Potenziale für die Professionalisierung der Beratung geboten werden können.

Der Relaunch einer landesweiten Qualifizierungsreihe mit erwachsenenpädagogischem Schwerpunkt für Kursleitende vonseiten des Hessischen Volkshochschulverbands liefert die Grundlage für den Beitrag von Christiane Ehses und Marta Slu­sarek, um einerseits das Projekt einer Professionalisierung von Kursleitenden zu beschreiben, andererseits aber darüber hinaus Perspektiven einer nachhaltigen Verankerung zu benennen. Diese werden in einer Akzeptanz- und Resonanzkultur in der öffentlich verantworteten Erwachsenenbildung gesehen. Die Zusammenarbeit zwischen disponierendem Personal und Kursleitenden wird als kritischer Erfolgsfaktor beschrieben.

Ein Interview oder der Dialog von Verbandspraxis und Wissenschaft mit Christiane Ehses, Bernd Käpplinger sowie mit Steffi Rohling, (scheidende) Verbandsdirektorin des Landesverbands der Volkshochschulen in Rheinland-Pfalz, greift pointiert eine Reihe an Erfahrungen, Gelingensfaktoren sowie kritische Momente in der Zusammenarbeit von Landesverband und Volkshochschulen auf.

Wir hoffen mit diesem vielleicht etwas ungewohntem Themenheft Impulse zu geben, die für die Praxis interessant sind und für die Wissenschaft Anlass für vertiefende und weiterführende Studien und Analysen sind.

Literatur

Dobischat, R., Elias, A. & Rosendahl, A. (Hrsg.) (2018). Das Personal in der Weiterbildung im Spannungsfeld von Professionsanspruch und Beschäftigungsrealität. Wiesbaden: Springer VS.

Gesellschaft zur Förderung der Volkshochschulen in Berlin e. V. (Hrsg.) (2019). Was uns verbindet, was uns unterscheidet. Das Personal der Berliner Volkshochschulen. Volksschulen in Berlin, H. 1. www.vhs-foerdergesellschaft-berlin.de/wp-content/uploads/2019/04/Journal_01-2019.pdf.

Goeze, A., Stodolka, F. (2019). Das Personal als Ressource der Erwachsenenbildung/Weiterbildung: Ein systematisches Review über das Zusammenwirken unterschiedlicher Personalgruppen. Hessische Blätter für Volksbildung, 96(4), 354–364.

Martin, A., Lencer, S., Schrader, J., Koscheck, S., Ohly, S., Dobischat, R., Elias, A. & Rosendahl, A. (Hrsg.) (2016): Das Personal in der Weiterbildung – Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen, Qualifikationen, Einstellungen zu Arbeit und Beruf. Bielefeld: wbv.

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