Verleihung des „Rita-Süssmuth-Preises für die internationale Volkshochschule“

Erwachsenenbildung in internationaler Perspektive

Hessischer Volkshochschulverband e. V. (hvv) (Hg.)

Hessische Blätter für Volksbildung (HBV) – 2020 (2)

DOI: 10.3278/HBV2002W005

ISSN: 0018–103X wbv.de/hbv hessische-blaetter.de

Verleihung des „Rita-Süssmuth-Preises für die internationale Volkshochschule“

Thomas Lichtenberg

Zusammenfassung

Am 7. Mai 2019 hat DVV International erstmalig den „Rita-Süssmuth-Preis für die internationale Volkshochschule“1 verliehen. Mit dem Preis zeichnet das Institut, gemeinsam mit dem Vorstand des Deutschen Volkshochschul-Verbandes und unter Schirmherrschaft des Deutschen Städtetages, künftig alle zwei Jahre Volkshochschulen aus, die sich dem Thema der Internationalisierung im besonderen Maße widmen. Der nachfolgende Beitrag wird die drei „Leuchtturmprojekte“ der Preisträger 2019 (Volkshochschulen Bonn, Hannover, Ulm) beleuchten, um internationales Engagement aufzuzeigen – zur Illustration wie auch als Anregung für mehr Internationalität an deutschen Volkshochschulen.

Stichworte: Internationalisierung, Nachhaltigkeit, Sustainable Development Goals (SDGs), Integration von Migranten

Abstract

On May 7th, 2019, DVV International awarded the "Rita Süssmuth Prize for the International Adult Education Centre "1 for the first time. Together with the Board of the German Adult Education Association and under the patronage of the German Association of Cities, the Institute will award the prize every two years to adult education centres that are particularly dedicated to the topic of internationalisation. The following article will highlight the three "lighthouse projects" of the award winners 2019 (Adult Education Centres Bonn, Hannover, Ulm) in order to show international commitment - for illustration purposes as well as a suggestion for more internationality at German adult education centres.

Keywords: internationalisation, sustainability, Sustainable Development Goals (SDGs), integration of migrants

1 Einleitung

Die Volkshochschulen sind deutschlandweit stark in ihren Kommunen verankert und doch geht ihr Blick weit über diese Grenzen hinaus. Mit einem vielfältigen Angebot schaffen sie es, vor Ort internationale Bezüge herzustellen, Brücken zu bauen, Menschen willkommen zu heißen und Perspektiven zu erweitern. Mit interkulturellen Angeboten, internationalen Partnerschaften und globalen Themen bringen sie internationale Perspektiven in ihre Stadt und tragen Lokales hinaus in die Welt.

Mit dem „Rita-Süssmuth-Preis für die internationale Volkshochschule“ zeichnet DVV International, das Institut für Internationale Zusammenarbeit des DVV, alle zwei Jahre Volkshochschulen aus, die

  • mit international ausgerichteten Strategien, Konzepten und Ideen ihre kommunale Gesellschaft zukunftsweisend mitgestalten und/oder
  • internationale und interkulturelle Bezüge in ihr Programmangebot und ihre Organisationskultur integrieren und/oder
  • im Rahmen von internationalen Partnerschaften, Fachexkursionen, Beratungseinsätzen und anderen Aktivitäten den Wissensaustausch von EB-Einrichtungen weltweit ermöglichen.

DVV International stellt die Preisvergabe unter wechselnde Mottos, um zeitgemäße Themen aufzugreifen und dem vielfältigen und facettenreichen Angebot der Volkshochschulen Rechnung zu tragen. Im Jahr 2019 wurde der „Rita-Süssmuth-Preis für die internationale Volkshochschule“ erstmalig unter dem Motto „Zusammenleben. Zusammenhalten“ vergeben. Bis zu drei Volkshochschulen werden für ihre internationale Ausrichtung mit der Auszeichnung „internationale Volkshochschule“ prämiert. Hierfür hat der DVV International ein Logo entwickelt, welches von den Preisträgern öffentlichkeits- und werbewirksam genutzt werden kann. Die Auszeichnung ging im Jahr 2019 an die Volkshochschulen Bonn, Hannover und Ulm.

2 Internationale Ausrichtung und „Leuchtturmprojekte“ der Volkshochschulen

Die drei Volkshochschulen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sogenannte „Leuchtturmprojekte“ vorzuweisen haben, in denen sie ganz konkret Projekte durchführen, die darauf abzielen, die Internationalität der Volkshochschulen sichtbar zu vergrößern.

2.1 Volkshochschule der Stadt Bonn

Die Volkshochschule Bonn versucht in vielerlei Hinsicht das Thema „Internationalisierung“ in einer international geprägten Stadt voranzutreiben. So ist das Thema „Internationalisierung“ beispielsweise ein konkreter Bestandteil des QM-Strategiepapiers der Volkshochschule. Und genau dieser strategischen Ausrichtung versucht die VHS Bonn auch in ihrer täglichen Arbeit konsequent Rechnung zu tragen. So arbeiten beispielsweise viele der hauptberuflichen Mitarbeitenden in DVV Beratungsprogrammen in verschiedenen Ländern konkret mit, um mit ihren Erfahrungen aus Deutschland die Erwachsenenbildung in anderen Ländern zu unterstützen. Darüber hinaus lebt die VHS Bonn ein Haus der offenen Tür für internationale Gäste, sodass internationale Organisationen der Stadt Bonn (DVV International, GIZ, BIBB und andere) das Haus und die Aufbauorganisation der Volkshochschule kennenlernen, hier Veranstaltungen durchführen können und dabei auch über die Struktur der Volkshochschularbeit und der Erwachsenenbildung in Deutschland informiert werden.

Um die Internationalisierung der Volkshochschule konkret voranzutreiben, arbeitet die VHS aktiv mit diversen internationalen Organisationen wie z. B. der „European Association for the Education of Adults“ (EAEA, assoziiertes Mitglied) oder mit der Regionalvertretung der EU-Kommission in Bonn zusammen. Hier wird unter anderem die fünfteilige Reihe „Europa im Fokus“ (2018/2019) in Zusammenarbeit mit dem Dezernat Internationales der Universität Bonn durchgeführt.

Darüber hinaus greift die VHS auch in ihrer Programmgestaltung zunehmend internationale Themen auf. So findet beispielsweise seit 2013 eine Reihe zu „Europa“ zweimal jährlich im Alten Rathaus zu europapolitischen Themen, Ökonomie, Politik, Gesellschaft, Entwicklungszusammenarbeit, Arbeitsmarkt etc. statt. Um auch den Mitarbeitenden des internationalen Bonn (UNO, Forschungseinrichtungen, DAX- und andere Unternehmen) eine Möglichkeit zur Teilnahme an Angeboten der Erwachsenenbildung zu geben, finden sich im Programm englischsprachige Angebote, die genau diese Zielgruppe adressieren.

Als „Leuchtturmprojekt“ der VHS Bonn wird die seit 2010 bestehende Reihe zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDG) präsentiert, die auch für die Länder des globalen Nordens gelten. Dabei widmet sich die VHS Bonn dem ganzen thematischen Spektrum, welches in den SDGs behandelt wird: von Themen der Energie und Nachhaltigkeit, Welternährung, Müll, Gesundheit, Wasser, Rohstoffe und Stadtentwicklung, hin zu Biodiversität, Mobilität und Verkehr, Klimawandel, Flucht und Migration sowie Geschlechtergleichstellung. Auch Themen der zunehmenden Digitalisierung wie Digitale Kultur und Big Data werden dabei aufgegriffen. Genauso geht es um Themen wie nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster, die auf die konkrete Lebenswelt der Teilnehmer abstellen.

Während die VHS das Thema vorgibt, kommen Ideen zur Ausgestaltung auch von den Kooperationspartnern. Vor allem die regionalen Reihen zu Afrika, Lateinamerika, dem Maghreb und Südostasien entstehen in intensivem Austausch.

Die Bonner Stadtwerke, die Verbraucherzentrale NRW in Bonn und die Bonner Energie Agentur sind Partner bei der Unterreihe „Energie für Bonn“, die konkrete Informationen dafür liefert, wie der und die Einzelne einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und dabei Geld sparen kann. Wann immer es sich anbietet, werden diese Veranstaltungen unter das übergreifende SDG-Thema gestellt.

Alle SDG-Reihen werden im Archiv des Fachbereichs Politik, Wissenschaft und Internationales auf der Homepage veröffentlicht und dort archiviert, um sie allgemein zugänglich zu machen (https://www.vhs-bonn.de/programm/politik-wissenschaft-und-internationales/archiv-der-themenschwerpunkte.html, Zugriff 11.12.2019).

Bemerkenswert ist dieses Projekt deshalb, da es auf der einen Seite erfolgreich gelingt, das abstrakte Thema „Nachhaltigkeit“ für die Lebenswelt der Menschen in der Stadt Bonn greifbar und verständlich zu machen. Denn durch die Kooperation mit Praxispartnern geht es vor allem auch darum, praktische Anregungen für die eigene Lebensgestaltung zu geben, um konkret zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beizutragen. Wie kann ich beispielsweise den Energieverbrauch reduzieren, spare dabei bares Geld und leiste zudem einen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen? Auf der anderen Seite bettet diese Reihe die Themen der Nachhaltigkeitsziele in den globalen Kontext ein und stellt damit anschaulich die Verbindung zwischen der eigenen Lebenswelt und den globalen Zielen und Entwicklungen zum Thema Nachhaltigkeit her. Dieses Konzept der „Nachhaltigkeit zum Anfassen“ in Verbindung mit der globalen Perspektive ist ein Erfolgsfaktor für diese Veranstaltungsreihe.

2.2 Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover

Die VHS Hannover setzt im Rahmen ihrer Internationalisierungsbemühungen vornehmlich auf internationale Zusammenarbeit. Durch zahlreiche multinationale Kooperationsprojekte ist es der VHS Hannover gelungen, mit mehr als 20 Organisationen aus verschiedenen europäischen Ländern Arbeitskontakte aufzubauen. Ziel dieser internationalen Projektarbeit ist der Austausch über europäisch relevante gesellschaftliche Themen der Bildungsarbeit und die Entwicklung gemeinsamer Strategien und Methoden. Eine Herausforderung, mit der zunehmend mehr Länder Europas umgehen müssen, ist die Integration von Geflüchteten in die verschiedenen europäischen Gesellschaften. Gemeinsame Projektarbeit mit europäischen Partnern soll hier das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit stärken und nach innen motivierend und stärkend wirken.

Seit 2016 beteiligt sich die VHS an drei europäischen Projekten zur Integration von Geflüchteten unter unterschiedlichen Zielsetzungen:

  1. Networking Refugees: Sammlung guter Beispiele der Integration Geflüchteter durch Bildung sowie gegenseitige Implementation eines Best Practices in die eigene Organisation.
  2. Refugees in Vocational Training (Projektleitung VHS Hannover) zum Austausch über gute Praxisbeispiele, Geflüchteten den Zugang und die erfolgreiche Teilnahme in der beruflichen Weiterbildung zu ermöglichen.

Als „Leuchtturmbeispiel“ präsentiert die VHS Hannover das dritte europäische Projekt mit dem Namen „In Modelli di inclusione e lavoro per rifugiati“ (MILAR) (Modelle für die Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft und die Arbeitswelt). Konkret werden in diesem Projekt Akteure aus Deutschland, Italien, Großbritannien und Schweden verbunden, um zu erproben, wie sozialwirtschaftliche Unternehmen zur wirtschaftlichen und sozialen Integration Geflüchteter beitragen können. Der Idee eines „Community Social Enterprise“ folgend geht es dabei um die Förderung des Zusammenhalts der lokalen Gemeinschaft.

In den vier Partnerländern wurde eine Analyse sozialwirtschaftlicher Initiativen vorgenommen. Diese Erfahrungen flossen in einen „Europäischen Leitfaden“ ein, der in der lokalen Praxis getestet wurde: Gestützt auf vielfältige Akteure vor Ort wurden Initiativen gegründet oder begleitet, die eine Verbesserung des Gemeinschaftslebens und gleichzeitig die Förderung der Arbeitsintegration Geflüchteter zum Ziel haben und bei denen Geflüchtete selbst zu den Akteuren gehören.

Die VHS Hannover organisierte in diesem Rahmen das BarCamp „WeStartUp! – Geflüchtete kreativ und aktiv in Wirtschaft und Gesellschaft“ im Dezember 2017, bei der sich über 100 Personen und rund 30 Organisationen einen Tag lang austauschten, wie die Eigeninitiative und Kreativität Geflüchteter gestärkt und genutzt werden kann, z. B. für Vereins- und Unternehmensgründungen.

Zudem wurde ein Fortbildungsprogramm mit „Unter einem Dach“ gestartet, einer lokalen Initiative, die Geflüchtete und Handwerksfirmen zusammenbringt: Die praxisorientierte Workshop-Reihe diente der Förderung der unternehmerischen Kapazitäten von „Unter einem Dach“. An den Trainings nahmen sowohl Mitarbeiter*innen als auch Geflüchtete teil. Unter Anleitung von Fachleuten entwickelten sie die Materialien für eine Crowdfunding-Kampagne mit dem Ziel, die Integrations­arbeit fortzusetzen und von staatlicher Förderung unabhängiger zu werden.

Insbesondere mit ihrem Leuchtturmprojekt nimmt sich die VHS eines gesellschaftlich hoch relevanten Themas an: Wie können Migranten besser in unsere Gesellschaft integriert werden? Dabei setzt sie auf die Einbeziehung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, zu denen u. a. regionale Handwerksbetriebe zählen, die den Migranten auch wirtschaftliche Perspektiven aufzeigen sollen, sodass hier ein breiter Integrationsansatz zugrunde gelegt wird. Schließlich verfolgt sie diesen Ansatz in enger Kooperation mit anderen europäischen Partnern, sodass Ansätze der sozialen Integration in verschiedenen kulturellen Kontexten entwickelt, getestet und verglichen werden können. Auf diese Weise gelingt es der Volkshochschule, ein Leuchtturm für gelebte intersektorale Integration von Migranten zu sein.

2.3 Ulmer Volkshochschule

Die Volkshochschule Ulm präsentiert ihre Volkshochschule als „Ermöglichungsort und Ort zur gesellschaftlichen Teilhabe“, der explizit die Internationalisierung in den Blickpunkt rückt. „Dozent*innen, Teilnehmer*innen und Mitarbeiter*innen eröffnen mit ihrer unterschiedlichen kulturellen und nationalen Herkunft – aus über 100 Ländern – glaubwürdig neue Perspektiven des Zusammenlebens und -lernens.“ Von den 1960er bis 1990er Jahren war die Volkshochschule Ulm vor allem inhaltlich international ausgerichtet, etablierte sich aber schnell als Begegnungsort und unterstützende Institution für bestimmte Zuwanderergruppen (z. B. Gastarbeiter*innen und deren Kinder, Solidaritätsarbeit mit Chile, Nicaragua und vietnamesischen Boat-People). 2007 erfolgte ein Paradigmenwechsel von der „Schule der Demokratie“ zur „Schule der Integration“. Die Volkshochschule versteht sich heute als Willkommensort für Menschen mit internationalen Wurzeln und als Begegnungsort von Alt- und Neubürgern, an dem Debatten in einer Atmosphäre von gegenseitigem Respekt und Toleranz ausgetragen werden können.

Zudem ist die Partizipation von Zugewanderten unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben hier explizites Ziel der Volkshochschul-Arbeit. Im Rahmen des humanistischen Bildungsauftrags werden Zuwandererinnen und Zuwanderer nicht nur als Arbeitskräfte gesehen, die es für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren gilt, sondern als die Gesellschaft bereichernde Menschen mit vielfältigen Interessen und Entfaltungswünschen. Im Sinne des Gründungsmottos „Einmischung erwünscht“ und einer „Ermöglichungskultur“ versucht die Volkshochschule, vielfältige Partizipations-, Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für alle zu schaffen. Durch diese internationale Ausrichtung, die Kurse und Veranstaltungen integriert sich die Volkshochschule mit ihrer überregionalen Strahlkraft in die kommunale Strategie von „Ulm – Internationale Stadt“.

Als konkrete Handlungsfelder hat die Volkshochschule 2017 zusätzlich folgende Punkte verankert:

  • „Globales Lernen für eine nachhaltige Entwicklung als interdisziplinäres Bildungskonzept“, das „Ideen zur eigenen Beteiligung an einer sozialen, politisch und ökologisch verantwortlichen Gesellschaft“ vermitteln soll, orientiert an den SDGs und den Zielen der BNE.
  • „Das entschiedene Eintreten für Menschenrechte ... und für ein offenes Europa – ohne Abgrenzung und mit globaler Verantwortung.“

Mit ihrem Leuchtturmprojekt „Teatro International“ trägt die Volkshochschule der Erfahrung Rechnung, dass sich Deutschlernende aufgrund der eingeschränkten sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten als defizitär erfahren und ihre Persönlichkeit nicht angemessen entfalten können. Vor diesem Hintergrund richtete die Volkshochschule Ulm 2012 einen „Sprach- und Kommunikationstreff über die Methode der Theaterarbeit“ ein. Die Teilnehmenden haben hier die Möglichkeit, verbale und non-verbale Ausdrucksmöglichkeiten und den Austausch ihrer ähnlichen Erfahrungen als Ankommende kreativ zu nutzen. Die Gruppe setzt sich jeden Herbst immer wieder neu zusammen aus Menschen unterschiedlicher sozialer und nationaler Herkunft und unterschiedlicher Motivation des Zuwanderns. Jeder ist willkommen, bringt seine Fähigkeiten zum Nutzen des Ganzen ein und vernetzt sich mit den anderen. Seit 2013 erarbeitete die Gruppe sechs Eigenproduktionen zu Themen von Migration und Globalität, wie Fußball, Kunst, Familie, aber auch Arbeit. Die kulturelle Vielfalt spiegelt sich in den szenischen Collagen und den theatralen Mitteln wider.

Die Volkshochschule berichtet von der vielfältigen Bühnenerfahrung und den positiven Rückmeldungen. Die Teilnehmenden geben an, dass ihr Selbstbewusstsein gewachsen sei, was ihnen im privaten und beruflichen Alltag zugutekommt.

Mittlerweile gibt es zwei Gruppen, eine Projektgruppe, die zielorientiert und künstlerisch an einem Stück arbeitet, und eine offene Gruppe, bei der der soziale Aspekt im Fokus steht. Beide Gruppen sind Modelle einer sozialen Utopie des Zusammenlebens und -arbeitens in einer internationalen Gesellschaft.

Bemerkenswert an diesem Beispiel ist, dass die Volkshochschule sich ebenfalls dem Thema „Integration“ widmet, aber dafür gezielt künstlerische Stilmittel einsetzt, um sprachliche und kulturelle Hürden zu überwinden und damit zur Persönlichkeitsentwicklung von Migranten beizutragen. Dies hat nicht nur positive Effekte für die Individuen, die sich in einer ganz anderen Rolle als dem „Migranten“ erleben dürfen, sondern es erzeugt auch eine neue Offenheit gegenüber der gastgebenden Gesellschaft sowie den Zuwanderern aus anderen Kulturen. Die Volkshochschule zeigt beispielhaft, wie es mit künstlerischer Kreativität gelingen kann, gegenseitiges Verständnis und Respekt für ein interkulturelles Zusammenleben zu entwickeln.

3 Abschließendes Fazit

Internationale Themen spielen eine zunehmend bedeutungsvolle Rolle in der öffentlichen Diskussion, sowohl aufgrund der medialen Berichterstattung, die die „große, weite Welt“ quasi direkt in unsere Wohnzimmer holt, als auch in unserer persönlichen Lebenswelt, da ausländische Mitbürger zunehmend zu unserem Alltag gehören. Insbesondere durch die Integrationsarbeit und Sprachvermittlung spielen die Volkshochschulen bundesweit eine tragende Rolle, um „Internationalisierung“ ganz konkret zu meistern. Somit hat das Thema „Internationalisierung“ in den letzten Jahren in der Landschaft der Volkshochschulen enorm an Bedeutung gewonnen, was sich in vielerlei Hinsicht in der konkreten Arbeit niederschlägt, wie die drei oben genannten Beispiele eindrucksvoll belegen. Dabei gelingt es vielen Volkshochschulen, sowohl nach innen „Internationalität“ zu leben als auch nach außen in der internationalen Erwachsenenbildung einen Beitrag zu leisten. Und die oben genannten Beispiele sind hier nur exemplarisch genannt für eine Vielzahl an Volkshochschulen, die dem Thema „Internationalisierung“ ein zunehmendes Gewicht in ihrer Arbeit geben.

Dabei wissen insbesondere diejenigen, die in die konkrete internationale Arbeit eingebunden sind, dass interkulturelle Zusammenarbeit sowohl ihren Reiz als aber auch ganz eigene Herausforderungen zeitigt. Nur allzu oft stoßen gerade in der Erwachsenenbildung interkulturelle Differenzen konkret aufeinander, und es fällt nicht immer leicht, das „Andere“ zu verstehen und zu akzeptieren. Aber die Volkshochschulen stellen sich bewusst dieser Herausforderung und entwickeln eine erstaunliche Kreativität und Innovationskraft, um mit diesen Schwierigkeiten der Internationalisierung konstruktiv umzugehen und konkrete Lösungen zu finden. Dieser Trend wird anhalten, da Internationalisierung in Zukunft weiter zunehmen wird. So kommt den Volkshochschulen auch in Zukunft durch ihre innovativen, internationalen und interkulturellen Angebote an Erwachsene verschiedener Couleur eine signifikante Rolle zu, damit sich der Traum von einer friedvollen multikulturellen Gesellschaft erfüllen kann.

Anmerkung

1 Namensgeberin Prof. Dr. Rita Süssmuth war 27 Jahre lang Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV). Sie ist heute Ehrenpräsidentin des Verbandes und setzt sich auch weiterhin im nationalen, europäischen und internationalen Kontext für die Belange der Erwachsenenbildung ein.

Autor

Thomas Lichtenberg, Dr. rer. nat., Jahrgang 1969, Leitung Stabsstelle Monitoring und Evaluation sowie Funding DVV-International.

Review

Dieser Beitrag wurde nach der qualitativen Prüfung durch die Redaktionskonferenz am 20. Februar 2020 zur Veröffentlichung angenommen.

This article was accepted for publication following a qualitative review at the editorial meet­ing on 20th February 2020.