Zur ERASMUS+ Strategischen Partnerschaft INTALL

Erwachsenenbildung studieren – Akademische Professionalitätsentwicklung

Hessischer Volkshochschulverband e. V. (hvv) (Hg.)

Hessische Blätter für Volksbildung (HBV) – 2020 (1)

DOI: 10.3278/HBV2001W005

ISSN: 0018–103X wbv.de/hbv hessische-blaetter.de

Zur ERASMUS+ Strategischen Partnerschaft INTALL

Monika Staab, Stefanie Kröner, Lisa Breitschwerdt, Regina Egetenmeyer

Zusammenfassung

Angesichts von Internationalisierungs- und Globalisierungsentwicklungen steht das Personal der Erwachsenenbildung/Weiterbildung vor der Anforderung, der Lebenswelt ihrer Teilnehmenden auch in dieser Hinsicht gerecht zu werden. Deshalb kann die Internationalisierung als wichtiges Element in der Professionalisierung von Erwachsenenbildung/Weiterbildung verstanden werden. Die ERASMUS+ Strategische Partnerschaft INTALL stellt diese Aufgabe in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. In einem Joint Modul zu komparativen Studien in der Erwachsenenbildung werden akademische Perspektiven mit Einblicken in die Erwachsenenbildungspraxis systematisch verzahnt. Dieser Ansatz versteht sich als Antwort auf die Anforderungen an die Internationalisierung im Rahmen der Professionalisierung von Erwachsenenbildung/Weiterbildung.

Stichworte: Erwachsenenbildung, Weiterbildung, Professionalisierung, ERASMUS, Blended-Learning

Abstract

In view of internationalisation und globalisation developments, adult and further education professionals are challenged with meeting the requirements of their clients' backgrounds and life experience in this respect as well. As a result, internationalisation can be regarded as an important element of the professionalisation of adult/further education.The ERASMUS+ Strategic Partnership INTALL places this purpose at the centre of its work.

In a joint module on comparative studies in adult education, academic perspectives are systematically interlinked with insights into the practice of adult education. This approach is supposed to address the challenges of internationalisation in the context of the professionalisation of adult/further education.

Keywords: adult education, further education, professionalisation, ERASMUS, blended learning

1 Einleitung

Transnationale Entwicklungen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene (u. a. Digitalisierung, Migration) stellen das (zukünftige) erwachsenenpädagogische Personal vor die Anforderung und Herausforderung, den damit einhergehenden Lebenssituationen von Teilnehmenden und (potenziellen) Zielgruppen gerecht zu werden. Neben der wissenschaftlichen Beschäftigung zur akademischen Professionalisierung in der Erwachsenenbildung (Egetenmeyer/Schüßler 2012) finden sich auch internationale bildungspolitische Forderungen zur Notwendigkeit von qualifiziertem Personal in der Erwachsenenbildung (vgl. Mikulec 2019; Europäische Kommission 2017). In diesen Kontexten sind die zwei Erasmus+ Strategischen Partnerschaften COMPALL und INTALL zu verorten, die vor allem die internationale akademische Professionalisierung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung unterstützen.

Die Erasmus+ Strategische Partnerschaft „Comparative Studies in Adult Education and Lifelong Learning“ (COMPALL) entwickelte in einer dreijährigen Projektlaufzeit (2015–2018) ein Joint Module zur international-vergleichenden Forschung in der Erwachsenenbildung und des lebenslangen Lernens. Das Modul ermöglicht Masterstudierenden und Promovierenden im Rahmen einer Blended Mobility, sich gezielt mit internationalen Fragestellungen und Themen der Erwachsenenbildung und des lebenslangen Lernens auseinanderzusetzen. Durch die curriculare Einbindung des Joint Modules an sechs von sieben Partnereinrichtungen konnten die bisher eher national ausgerichteten curricularen Strukturen in der Erwachsenenbildung um internationale Perspektiven erweitert werden. Darüber hinaus konnte COMPALL zu einer Zunahme studentischer Mobilität führen und den Aufbau eines internationalen Netzwerkes von Studierenden und in der Erwachsenenbildung Tätigen unterstützen. Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass die Teilnehmenden durch das Joint Module wichtige fachliche und personale Kompetenzen entwickeln konnten, die sie als relevant für das internationale Tätigkeitsfeld einschätzen (COMPALL 2018).

Aufbauend auf den Erfahrungen und Ergebnissen von COMPALL wurde 2018 die Erasmus+ Strategische Partnerschaft „International and Comparative Studies for Students and Practitioners in Adult Education and Lifelong Learning“ (INTALL, 2018–2021) entwickelt. Die Partnerschaft besteht aus acht europäischen Universitäten und zwei Praxisverbänden der Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Die Universitäten sind: Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Projektkoordination), Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Università degli Studi di Firenze, Italien; Università degli Studi di Padova, Italien; Universidade de Lisboa, Portugal; Universität Pécs, Ungarn; University of Ljubljana, Slowenien und Dublin City University, Irland. Bei den zwei Erwachsenenbildungsverbänden handelt es sich um das Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschulverbandes (DVV International) und den Europäischen Verband für Erwachsenenbildung (EAEA). Die Stärkung internationaler Perspektiven in der akademischen Ausbildung erfolgt bei INTALL durch eine enge Verknüpfung von internationalen Praxisverbänden der Erwachsenenbildung/Weiterbildung und Universitäten mit Schwerpunkten in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Dazu wird in vier Arbeitspaketen (sogenannte Intellecutal Outputs, siehe unten) die akademische Professionalisierung von Studierenden und von Personen aus der Erwachsenenbildungspraxis sowie aus Erwachsenenbildungsverbänden unterstützt. Durch einen gemeinsamen Bildungsraum für Studierende und in der Erwachsenenbildung Tätige sollen gegenseitige Einblicke ermöglicht und akademisches Wissen zur Reflexion von erwachsenenpädagogischer Praxis genutzt werden.

Der Beitrag geht der Frage nach, wie die Erasmus+ Strategische Partnerschaft INTALL die internationale akademische Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung unterstützt. Hierfür erfolgen zunächst Grundlegungen zu dem Begriff Professionalität. Daran anknüpfend wird eruiert, wie INTALL die akademische Professionalisierung mit Blick auf internationale Anforderungen unterstützt. Abschließend wird reflektiert, welchen Beitrag das Projekt zur Professionalisierung des Personals in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung leistet.

2 Zur Professionalität in der Erwachsenenbildung

Erwachsenenpädagogische Professionalität bedeutet, im Einzelfall vor dem Hintergrund eines disziplinär-wissenschaftlichen Grundlagenwissens auf Basis individueller Deutungen und Interpretationen zu handeln. Professionalität ist nicht regelgeleitet, sondern stellt immer „einen flüchtigen Aggregatzustand von Beruflichkeit dar – ein Zustand, der interaktiv hergestellt und aufrechterhalten werden muss und der ein hohes Maß an Reflexivität und Begründungsfähigkeit vonseiten des Leistungsrollenträgers erfordert.“ (Nittel/Dellori 2014, S. 459). Darüber hinaus muss Professionalität als situativer Zustand auf Handlungsebene immer vor dem Hintergrund der kontextuellen Gegebenheiten betrachtet werden. Das konkrete Handeln ist auf mehreren Ebenen eingebettet: in den organisationalen (Weiterbildungseinrichtung, Unternehmen, etc.), den institutionellen (Trägerschaft der Weiterbildungsorganisation im Rahmen von Dachorganisationen) und gesellschaftlichen (Weiterbildungsgesetze, Weiterbildungspolitik, gesellschaftliche Struktur) Kontext (Egetenmeyer/Breitschwerdt/Lechner 2019). Zwischen allen Ebenen vollziehen sich wechselseitig Einflüsse, die das professionelle Handeln im Einzelfall beeinflussen.

Professionelles erwachsenenbildnerisches Handeln ist vielfach verwoben und beeinflusst von Logiken anderer Funktionssysteme (vgl. Evetts 2011, S. 407; Egetenmeyer et al. 2019, S. 13). Erwachsenenbildnerische Tätigkeiten sind nicht nur pädagogischer Natur, sondern die professionellen Tätigen müssen diese mit Fragen nach der Finanzierung, dem Qualitätsmanagement oder der Standardisierung vereinbaren. Beispielsweise bei der Planung von Weiterbildungsangeboten müssen neben der pädagogischen Planung immer auch die Fragen der Finanzierbarkeit und die organisationalen Ziele mitberücksichtigt werden. Diese „hybride Professionalität“ (Noordegraaf 2015) erfordert neben dem situativ-interpretativen Handeln eben auch die Vereinbarung von professionell-erwachsenenpädagogischen, bürokratischen und ökonomischen Perspektiven (vgl. Egetenmeyer et al. 2019).

Diese Komplexität erwachsenenpädagogischer Praxis erfordert eine fortdauernde Professionalisierung des Personals, in der das notwendige, erwachsenenpädagogische Wissen aufgebaut und erweitert wird. Durch die fortdauernde Professionalisierung wird dieses Wissen in die Fähigkeit zur Deutung von Handlungssituationen überführt. Der Grundstein hierfür wird in einer akademischen Ausbildung gelegt (vgl. Egetenmeyer/Schüßler 2012). Auf diese Basis baut die weitere individuelle Professionalisierung im Rahmen beruflicher Tätigkeiten, Fort- und Weiterbildungen oder Weiterqualifizierungen auf. Diese ist in der Regel gekoppelt an die konkreten Weiterbildungseinrichtungen, welche ihr eigenes Personal entsprechend den aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten professionalisiert.

3 Professionalitätsentwicklung bei INTALL

Vor dem Hintergrund dieses Verständnisses von erwachsenenpädagogischer Professionalität richtet sich die Erasmus+ Strategische Partnerschaft INTALL an Masterstudierende, Doktorand*innen der Erwachsenenbildung/Weiterbildung sowie in der Erwachsenenbildung Tätige (freiberuflich Lehrende, pädagogische Angestellte in Einrichtungen und Verbänden). Im Mittelpunkt des Projekts steht ein Blended-Learning-Modul um die jährlich im Februar stattfindende internationale Winter School „International and comparative studies for students and practitioners in adult education and lifelong learning“ an der Universität Würzburg. Damit verbunden ist die Entwicklung von vier Intellectual Outputs, die einen Beitrag zur internationalen Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung leisten sollen:

  • Wissenschaft – Praxis – Interaktion
  • Internationale Anforderungen an die Lehre
  • Übergang vom Studium in den Beruf
  • Digitale Anforderungen an die Lehre

Wissenschaft – Praxis – Interaktion

Für die Verzahnung von Wissenschaft und Praxis wird ein Blended Learning-Modul erarbeitet, dass sich an Master- und Promotionsstudierende in Studiengängen der Erwachsenenbildung/Weiterbildung sowie an in der Erwachsenenbildungspraxis Tätige richtet. Dieses soll sowohl in den Curricula der Hochschulen (ECTS) als auch in den Weiterbildungsprogrammen der Praxiseinrichtungen verortet werden.

Im Mittelpunkt des Blended Learning-Moduls steht der Dialog zwischen in der Erwachsenenbildung Tätigen, Studierenden und Wissenschaftler*innen. Dabei werden theoretisch-analytische Modelle für eine reflexive Auseinandersetzung von Erwachsenenbildung/Weiterbildung genutzt. Im Zentrum steht der implizite und explizite Vergleich von Erwachsenenbildung/Weiterbildung anhand der Studienkontexte der Studierenden und der Arbeitskontexte der in der Erwachsenenbildung Tätigen. In der ersten Woche finden Seminare zu erwachsenenpädagogisch relevanten Bildungstheorien und zur internationalen Bildungspolitik mit Bezug zum lebenslangen Lernen statt. Hier erarbeiten sich die Teilnehmenden ein gemeinsames Verständnis von Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Wissenschaft-Praxis-Reflexionen werden durch Erkundungen in Erwachsenenbildungseinrichtungen vorgenommen. In der zweiten Woche steht die Comparative Group Work im Mittelpunkt. In dieser vergleichen die Teilnehmenden systematisch ausgewählte Themen von Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen (z. B. Bildungspolitik, Recognition of Prior Learning, Studiengänge). In der Comparative Group Work bringen die Teilnehmenden ihre unterschiedlichen Perspektiven aus den jeweiligen Studien- und Arbeitskontexten ein. Die Zusammenarbeit von Studierenden und in der Erwachsenenbildung Tätigen zielt ebenfalls auf Wissenschaft-Praxis-Reflexionen.

Internationale Anforderungen an die Lehre

Globalisierungsentwicklungen (vgl. Scholte 2000; Stiglitz 2018) und die Internationalisierung der Erwachsenenbildung/Weiterbildung (vgl. Egetenmeyer 2017) tragen dazu bei, dass in der Erwachsenenbildung Tätige mit Internationalisierungsaufgaben betraut sind. Dazu zählt beispielweise der pädagogische Umgang mit Migrations- und Internationalisierungserfahrungen von Teilnehmenden. Auch in der Hochschullehre kann von Internationalisierungserfordernis gesprochen werden (vgl. z. B. Hochschulrektorenkonferenz 2017). Das Intellectual Output International Teaching and Learning in Adult Education reagiert auf diese Anforderungen. Es wird ko­ordiniert von der Universität Padua (Prof.‘in Monica Fedeli). Im Zentrum steht ein Blog (https://www.hw.uni-wuerzburg.de/intall/learning-community/), in dem unterschiedliche didaktische Methoden veröffentlicht werden, die für internationale Lehr- und Lernsettings genutzt werden können. Die didaktischen Methoden werden von den beteiligten Partnereinrichtungen ausformuliert und pilotiert. Die Dissemination erfolgt unter anderem über das LinkedIn-Netzwerk „Professional Network for Adult Education and Lifelong Learning“ (https://www.linkedin.com/groups/8445381/), in dem aktuell für annähernd 1000 Mitglieder internationale Professionalisierungsmöglichkeiten gepostet werden (z. B. Webinare, Seasonal Schools, Konferenzen).

Die Sammlung und Erarbeitung didaktischer Methoden zur Anwendung in internationalen Lehr- und Lernkontexten befördert den Austausch und das Voneinander-Lernen. Damit soll eine Learning Community entwickelt werden, die im Rahmen von einer Deprivatisierung von Lehre (vgl. Adams/Mix 2014) zur gemeinsamen Weiterentwicklung von internationalen Lehr- und Lernsettings in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung beiträgt. Die Teilnehmenden profitieren von einem sich ständig weiterentwickelnden Blended-Learning-Modul. Zudem sind sie selbst Teil der Learning Community und sind eingeladen, sich im LinkedIn-Netzwerk über die didaktischen Methoden auszutauschen. Dies ist vor allem deshalb relevant, da die Mid-Term-Evaluation des Joint Modules zeigt, dass ehemalige Teilnehmende in internationalen Arbeitskontexten tätig sind oder dies intendieren (vgl. INTALL i. E.).

Übergang vom Studium in den Beruf

Nach Yorke (2006) kann Employability als Fähigkeit verstanden werden, mit der Studierende ihre individuelle Rolle in der Gesellschaft und insbesondere in Bezug zu ihrer beruflichen Tätigkeit reflektieren und die Erwachsenenbildung aktiv und reflexiv gestalten können. In dem Teil Employability des Blended-Learning-Moduls reflektieren die Studierenden, was ihre Rolle und ihr Aufgabenbereich in der Gesellschaft ist. Es wird koordiniert von der Universität Florenz (Professorin Vanna Boffo). Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend vom deutschsprachigen Employability-Diskurs (vgl. Kraus 2006). Im Mittelpunkt des INTALL-Projekts steht vielmehr die Verantwortungsübernahme und Befähigung von Studierenden zur Gestaltung ihrer Lebenswelt. Diese Relevanz betonen insbesondere die italienischen Partnerhochschulen. Der Teilbereich umfasst einen Online-Guide, in welchem mögliche (internationale) Aufgabenprofile und Anforderungen des Arbeitsmarktes differenziert werden. Zudem werden die Studierenden darüber informiert, wie und wo sie sich bewerben können. Im Präsenzmodul können die Studierenden im Rahmen des Employability Days von Personen aus der Praxis lernen, welche Aufgabenbereiche es in der Erwachsenenbildungspraxis gibt und wie sie sich am besten schon in ihrem Studium darauf vorbereiten können. Dies soll die Studierenden in der Eigengestaltung des Übergangs vom Studium in den Beruf unterstützen. Andererseits sollen die Studierenden durch die Einblicke in die Erwachsenenbildungspraxis ihre Reflexionsfähigkeit schulen und sich darüber bewusst werden, welche gesellschaftlichen und institutionellen Ziele sie mit ihrer zukünftigen Tätigkeit unterstützen möchten. Vonseiten der Teilnehmenden aus der Erwachsenenbildungspraxis werden „Good-Practice-Beispiele“ aus ihrem erwachsenenpädagogischen Arbeitskontext eingeführt. Darüber hinaus werden auf der INTALL Website (https://www.hw.uni-wuerzburg.­de/intall/employability/employment-stories/) in Kurzvideos Employment Stories von ausgewählten, teilnehmenden Erwachsenbildner*innen präsentiert.

Digitale Anforderungen an die Lehre

Der digitale Wandel geht mit neuen Anforderungen für Lehrende und Lernende einher. Die Einbindung digitaler Elemente in die akademische Lehre trägt dazu bei, dass sich Studierende Medienkompetenzen aneignen und digitale Medien nutzen, um eigenständig und zeitlich sowie räumlich flexibel zu lernen. Der kritische und reflektierte Umgang mit digitalen Medien stellt angesichts des digitalen Wandels eine Aufgabe dar, der Hochschulen durch die Integration digitaler Lehr- und Lernarrangements nachkommen können. Zudem unterstützt der Einsatz digitaler Lehr- und Lernangebote die internationale Vernetzung von Studierenden und Dozierenden unterschiedlicher Hochschulen, was eine „internationalisation at home“ befördert (vgl. Hochschulrektorenkonferenz 2017).

Das E-Learning Modul INTALL@Home reagiert auf diese digitalen und internationalen Anforderungen an die Lehre. Es wird koordiniert von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg (Prof.‘in Sabine Schmidt-Lauff). Im Internet unter go.uniwue.de/io4 frei zugänglich können sich interessierte Personen in Teilmodulen mit den Themen Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, Profes­sionalität in der Erwachsenenbildung und Employability auseinandersetzen. Die Themen sind didaktisch unter anderem mit Videos und Quizzen aufbereitet. Zum aktuellen Zeitpunkt (Oktober 2019) ist das Modul zu den Sustainable Development Goals fertiggestellt und wird aktuell pilotiert. Die Teilmodule können von Studierenden zeitlich flexibel genutzt werden, was insbesondere anlässlich der Anforderungen nicht-traditioneller Studierender (vgl. Slowey/Schuetze 2002; Wolter et al. 2017) von Bedeutung ist. INTALL@home eröffnet nicht mobilen Studierenden (z. B. aufgrund familiärer Verpflichtungen und/oder bestehenden Arbeitsverhältnissen), sich mit internationalen Themen und Fragestellungen auseinanderzusetzen. So können internationales Wissen und digitale Fähigkeiten erworben werden. Ebenso können die in der Praxis Tätigen, die beruflich und familiär eingebunden sind, von dem Modul profitieren.

4 Schlussfolgerung

INTALL leistet in unterschiedlicher Hinsicht einen Mehrwert für die Professionalisierung von Studierenden in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung sowie für Teilnehmende aus Bildungstheorie, Bildungspraxis und Bildungspolitik. Die ERASMUS+ Strategische Partnerschaft stellt eine Reaktion auf die Internationalisierung der Erwachsenenbildung/Weiterbildung (vgl. Egetenmeyer 2017) und Internationalisierung der Hochschulen (vgl. Varghese 2017) dar. Die guten Evaluationsergebnisse der ersten INTALL Winter School 2019 zeigen, dass die didaktische Konzeptualisierung und Strukturierung auf hohes Interesse bei den Teilnehmenden aus Studium und Erwachsenenbildungspraxis stoßen. Für die Winter School 2020 zeigen die Einschreibezahlen ein nochmals erhöhtes Interesse von Kolleg*innen aus Einrichtungen und Verbänden der Erwachsenenbildung.

Mit der gemeinsamen Entwicklung von Joint Modules kann ein Beitrag zur akademischen Professionalisierung von Master- und Promotionsstudierenden an Universitäten im europäischen und internationalen Raum geleistet werden. Dies erleichtert die Integration in den Studienverlauf der Studierenden, fördert die internationale Anerkennung und stärkt insbesondere Universitäten mit kleinen Fachgebieten für Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Die Beschäftigung mit der individuellen beruflichen Laufbahn kann zur Entwicklung einer gemeinsamen Sozialisation in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung beitragen. Dies beinhaltet, dass Studierende gesellschaftskritische Perspektiven einnehmen und unterschiedliche gesellschaftliche Erwartungen an die Erwachsenenbildung/Weiterbildung differenzieren können. Das INTALL-Modul kann die individuelle Handlungsfähigkeit der Studierenden insofern erweitern, als dass diese ihre eigenen kulturellen und gesellschaftlichen Kontexte verstehen lernen. Ein Verständnis dieser Kontexte trägt dazu bei, dass die Teilnehmenden ihr Handeln in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung reflektieren und dieses bewusst gestalten und argumentieren können. Im Austausch mit den in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung Tätigen können sich die Studierenden über beruflich relevantes Wissen und Fähigkeiten sowie Wertvorstellungen verständigen. Gleichzeitig kann die gemeinsame Entwicklung von Lernmodulen, die insbesondere zur Employability der Teilnehmenden beitragen sollen, aus kritischer Perspektive beleuchtet werden.

In einem Prozess der Selbstreflexion und externen Evaluation kann das Projekt INTALL einen wertvollen Beitrag dazu leisten, dass die Erwachsenenbildung/Weiterbildung in einem gesellschaftlichen Wandel (vgl. Krotz/Hepp 2012; Giddens 2012; Beck 2015) reflektiert gestaltet wird. Mit diesem Ansatz der internationalen Vernetzung und des Dialogs intendiert INTALL einen Beitrag zur Professionalisierung von Masterstudierenden, Doktorand*innen und in der Erwachsenenbildung Tätigen zu leisten und dadurch auch die gemeinsame Sozialisation im Feld der Erwachsenenbildung/Weiterbildung zu stärken.

Literatur

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Autorinnen

Monika Staab, M. A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Stefanie Kröner, Dr. phil., Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Lisa Breitschwerdt, M. A.; Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Regina Egetenmeyer, Prof. Dr., Universitätsprofessorin für Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Review

Dieser Beitrag wurde nach der qualitativen Prüfung durch die Redaktionskonferenz am 14.11.2019 zur Veröffentlichung angenommen.

This article was accepted for publication following a qualitative review at the editorial meet­ing on 14th November 2019.